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Risiko Flohmarkt – Nähmaschine versus Kindheitsprägung

Flohmärkte bei gutem Wetter sind wunderbar. Es ist voll, die Leute sind gut gelaunt und die Stände der Anbieter üppig gefüllt. Hüte mit oder ohne Krempe suchen neue Träger, alte Waschbretter werben um einen neuen Platz in der Gegenwart. Nutzlos gewordene Kaffeemühlen freien darum,  zukünftig Pfefferkörner zu mahlen und wunderschöne Sommerkleider gehen auf Brautschau.

Ob die Hoffnung auf ein langgesuchtes Stück oder einen unerwarteten Fund in Erfüllung geht, weiß man nie. Glücklich und inspiriert oder enttäuscht, manchmal gar frustriert wird man am Ende sein.

Flohmärkte sind immer ein Risiko. Sie zu besuchen, gleicht einer hoffnungsvollen Unternehmung. Sie sind ein Wagnis und haben den Nachteil, dass die gute Laune Schaden nehmen könnte, wenn man das gesuchte Stück nicht findet. Doch sollte man sie deswegen etwa meiden? Wohl kaum. Zu surrend und inspirierend ist die Stimmung. Zu groß die Neugier, was und wer einem dort begegnet.

Mir begegnetet dort völlig unerwartet eine wunderbare, gute alte Pfaff 260. Eine Koffer-Nähmaschine in bestem Zustand, so sah es jedenfalls für mich aus. Ich konnte es gar nicht fassen und war sofort verliebt. Alles schien tiptop, die Bedienungsanleitung und sogar eine Reparaturbescheinigungen von 1978 lagen fein säuberlich geordnet bei den Nähfüßen und Spulen, selbstverständlich in einer Klarsichthülle, so dass kein Nähmaschinenöl sie hätte trüben können.

Aber eine Nähmaschine auf dem Flohmarkt kaufen? Sie wollte schließlich auch etwas kosten, nämlich 180 Euro. Eigentlich ein sehr guter Preis, wenn sie funktionieren würde, was ohne Strom schwer zu prüfen war. Gleichzeitig aber auch viel Geld, um es ohne Garantie auf Funktionstüchtigkeit auszugeben.

Oh je! Was tun? Meine Kindererziehung meldete sich zu Wort. Besser Vorsicht als Nachsicht. Lieber misstrauisch sein als gutgläubig. Sicherheit geht vor! Das war meine Kindheitsprägung. Dagegen hatte ich so unerwartet keine Chance.

Ich verließ den Stand, um von dieser fixen Idee Abstand zu nehmen. Oder sollte ich mir doch Mut zureden? Was, wenn in der Zwischenzeit jemand anderes die Maschine entdecken würde? Zu meiner Unentschlossenheit gesellte sich Verlustangst. Mein Begleiter betrachtete ungläubig meine fahrige Verfassung, wollte mich aber nicht beeinflussen. Eine Nähmaschine vom Flohmarkt – das sollte ich besser allein entscheiden.

Eigentlich habe ich mich am Ende gar nicht für die Nähmaschine entschieden, die ich tatsächlich überglücklich erwarb. Ich habe mich dazu entschlossen, meiner Erziehung die Stirn zu bieten. Ich wollte das Risiko eingehen, vielleicht eine Enttäuschung zu erleiden, womöglich am Ende aber doch eines besseren belehrt zu werden. An diesem Tag wollte ich unbedingt mutig sein und mein Misstrauen in die Schranken weisen. Sie ist diffizile die Balance zwischen Risiko und Sicherheit. Ich habe gewonnen … und wurde belohnt.

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis.
Aber wenn wir den Mut haben loszugehen,
dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt
ein Sieg über unsere Ängste,
über unsere Zweifel und Bedenken.

Demokrit

Ein Kommentar

  1. Sigrid Meyer Sigrid Meyer 23. März 2018

    Liebe Ruth,
    schöne Bilder hast Du in Deinen Blogs.
    Vielleicht sehn wir uns ja bald einmal, wenn es wieder heller und wärmer ist.
    Liebe Grüße
    Sigi Meyer

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