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Gedicht – Warum wir mit der Mode gehen

Ein Gedicht von Robert Musil ( 1880 – 1942 ) schmückte 1991 das Deckblatt meiner Diplomarbeit. Er philosophiert in seinen Zeilen über die Mode. Seine Worte haben nichts an Aktualität eingebüßt, sprechen für sich – ich werde nichts kommentieren. Lediglich eine Buchempfehlung und einen Ausriss aus meinem Blogbuch möchte ich beifügen.

 

Warum wir mit der Mode gehen

(Robert Musil, 1880 – 1942)

Die vielbelächelten Torheiten der Mode…,

die den Menschen ein Jahr verlängern und in einem anderen Jahr verkürzen,

die ihn dick machen und dünn, die ihn bald oben breit und unten schmal,

bald oben schmal und unten breit machen,

die in einem Jahr alles an ihm empor und im nächsten Jahr wieder bergab kämmen,

die seine Haare nach vorn und hinten, rechts und links streichen.

Werden auch noch die Moden des Denkens, Fühlens und Handelns einbezogen,

von denen ähnliches gilt, so erscheint unsere Geschichte …

Kaum anders als ein Pferch, zwischen dessen wenigen Wänden

die Menschenherde besinnungslos hin und her stürzt.

Und doch, wie willig folgen wir dabei den Führern …

Und welches Glück grinst uns doch aus dem Spiegel entgegen,

wenn wir Anschluss haben, aussehen wie alle, und alle anders aussehen als gestern!

Warum das alles?

Vielleicht befürchten wir mit Recht, dass unser Charakter wie ein Pulver

auseinanderfallen könnte, wenn wir ihn nicht in eine öffentlich zugelassene

Tüte stecken.

 

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